Grußwort Joan Haahr

Grußwort von Prof. Dr. Joan S. (Schack) Gluckauf Haahr

On behalf of all the living descendants of my grandparents, Martha and Morris Schack (one of their children, Lina, now 96, many grandchildren, great-grandchildren, and great-great grandchildren), I want to thank the Mayor and City Council of Zwingenberg, the members of the Artbeitskreis Zwingenberger Synagoge, and most of all Dr. Fritz Kilthau, for their efforts to keep alive their memories and those of Martha’s sister and her husband, Clara and Jakob Wolf. I regret being unable to attend today’s ceremony.

At the time of the dedication of the Namenstafel in 2006, I wrote of my grandparents’ continuing attachment to Zwingenberg and the pain of their forced exile from it. My mother, too, retained that attachment, remembering fondly her youth and friends there (though my younger aunts, Suzanne and Margot, who lived there throughout their childhood in the 1930’s, had, understandably, no such fondness). But as I wrote to Fritz when he asked me to send a few words for today’s occasion, the older I get (and I am now about 20 years older than my grandparents were when they died) the more unthinkable it seems to me that what happened in Germany from 1933 to 1945 could have happened.  In my research on my family’s history, I have been following the lives of my two grandmothers (my father's mother, too, was murdered in one of the camps), and – now a grandmother myself six times over – I find that thinking about their tortured last years and trying to grasp their suffering becomes more and more painful.  

Remembering, however, is important. I am aware of the controversy that has attended the laying of stolpersteine elsewhere, and I share some of that ambivalence. Let us hope, however, that these stolpersteine, laid in loving memory of the former Jewish citizens of Zwingenberg, do not simply become an accustomed (and thus invisible) part of the landscape but serve as a continual reminder to everyone who sees them of the danger to ordinary people when madness prevails and the innocent are the victims.   

With best wishes,

Dr. Joan S. [Schack] Gluckauf Haahr
New York, NY
(written June 19, 2012)



Im Namen aller noch lebenden Verwandten meiner Großeltern Martha und Moritz Schack, von denen eine der Töchter, Lina, nun 96 Jahre alt ist, aller Enkel, Urenkel und Ururenkel, möchte ich dem Bürgermeister der Stadt Zwingenberg, der Stadtverordneten-versammlung, den Mitgliedern des Arbeitskreises Zwingenberger Synagoge e.V. und ganz besonders Herrn Dr. Fritz Kilthau für ihre Bemühungen danken, das Andenken an die Schacks und an Marthas Schwester, Clara und ihren Ehemann Jakob Wolf, zu erhalten und zu bewahren.
Ich bedauere es sehr, dass ich verhindert bin, an der heutigen Verlegung der „Stolpersteine“ teilzunehmen.

Als die „Namenstafel“ 2006 eingeweiht wurde, schrieb ich damals von der andauernden Verbundenheit meiner Großeltern zu Zwingenberg und ihrem Schmerz aufgrund des erzwungenen Exils.
Auch meine Mutter hielt diese Verbundenheit aufrecht. Sie erinnerte sich mit Liebe an ihre Jugend und ihre Freunde in Zwingenberg. Meine jüngeren Tanten, Suzanne und Margot, die ebenfalls in den 30er Jahren ihre frühe Kindheit hier verbrachten, hatten verständlicherweise nicht diese Erinnerungen.
Wie ich Fritz Kilthau schrieb, als Antwort auf seine Bitte, für die heutige Gelegenheit einige Zeilen zu schicken: Je älter ich werde, und ich bin jetzt 20 Jahre älter als meine Großeltern waren als sie starben, desto undenkbarer erscheint mir das alles, was sich in Deutschland zwischen 1933 und 1945 ereignen konnte.
Bei der Erforschung der Geschichte meiner Familie bin ich besonders dem Leben meiner beiden Großmütter nachgegangen. Die Großmutter väterlicherseits wurde ebenfalls in einem der Vernichtungslager ermordet. Heute bin ich ebenfalls Großmutter von mehr als sechs Enkeln, und ich empfinde die Erinnerung an ihre gepeinigten letzten Jahre und an all das Leid, das sie dabei durchleben mussten, mehr und mehr schmerzvoll.

Das Gedenken daran ist jedoch wichtig. Mir ist bewusst, dass die Verlegung der „Stolpersteine“ andernorts Kontroversen hervorgerufen hatte; und ich teile teilweise diese Ambivalenz.
Lasst uns hoffen, dass jedoch die „Stolpersteine“, die zur liebevollen Erinnerung an die früheren jüdischen Bürger in Zwingenberg verlegt werden, nicht nur einfach ein gewöhnlicher - und daher nicht sichtbarer - Teil des Landschaftsbilds werden, sondern für jeden, der sie betrachtet, eine immerwährende Mahnung darstellen, welche Gefahren für gewöhnliche Menschen drohen, wenn Wahnsinn vorherrscht und die Unschuldigen die Opfer sind.

Übersetzung von Hanns Werner (Zwingenberg)
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