Familie Wolf am Marktplatz 12

Saly, Amanda und Arnold Wolf
(Zusammengestellt und vorgetragen bei der Stolpersteinverlegung von Dr. Fritz Kilthau)

Saly, Ilse, Arnold, Fritz und Amanda Wolf


Ich möchte Ihnen nun gerne von der Familie Wolf erzählen, die Sie hier auf einem Foto sehen können und die hier in diesem Haus Marktplatz 12 wohnten.

Der Vater Saly Wolf – links auf dem Bild zu sehen - wurde 1886 in Ober-Klingen geboren. Ober-Klingen gehört heute zur Gemeinde Otzberg im Odenwald. Seine Ehefrau Amanda Wolf kam aus Biblis – dort war sie als Amanda Fränkel 1896 geboren worden. Saly und Amanda Wolf betrieben in diesem Haus einen Leder- und Schuhwarenhandel. Die Beiden hatten 3 Kinder, die man auf diesem Foto sieht: Links hinten steht Ilse, in der Mitte sitzt Arnold und rechts hinten sieht man Fritz.

Die Familie Wolf war sehr gastfreundlich und beliebt; Kinder waren jederzeit willkommen.

Nach 1933 hatte die Familie ein schweres Leben; sie wurden gemieden, die Tochter auf der Straße angespuckt. Nur wenige Zwingenberger Bürger hielten noch zu ihnen, sie schlichen sich bei Dunkelheit durch die Hintertür ins Haus Wolf, um miteinander zu reden oder eine kleine Unterstützung abzugeben.

Amanda und Saly Wolf wollten 1938 in die USA ausreisen, doch dies gelang nicht mehr. Die Repressalien gegen die jüdischen Bürger wurden immer massiver – das Lederwarengeschäft der Familie Wolf erhielt von der Bank keinen Kredit mehr und musste geschlossen werden. Amanda und Saly Wolf beschlossen wegzuziehen. Am 1. Oktober 1938 wurde die Firma im Gewerberegister gelöscht und Amanda und Sally Wolf verzogen nach Darmstadt in die Grafenstraße 13, einem sog. Judenhaus; hier bekam Saly Wolf eine kleine Anstellung im Judenviertel.

Beide wurden am 20. März 1942 vom Darmstadter Güterbahnhof aus in einem Transport von 1000 Juden ins Lager Piaski-Lublin in Polen deportiert; von dort erfolgten regelmäßige Transporte in die umliegenden Vernichtungslager Belzec, Majdanek oder Sobibor. Vermutlich ist Amanda Wolf in einem dieser Lager ermordet worden.

Im KZ Buchenwald nach der Befreiung


Saly Wolfs Schicksal konnte gleichfalls nicht einwandfrei geklärt werden:
Saly Wolfs Tochter Ilse gibt an, auf diesem bekannten Foto, das nach der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald 1945 gemacht wurde, ihren Vater erkannt zu haben. Es sei der Mann links mit dem weißen Kopfverband. Ich habe das Archiv der Gedenkstätte Buchenwald und den Internationalen Suchdienst des Roten Kreuzes wegen dieser Angaben angeschrieben. Beide Institutionen besitzen keine Unterlagen, die Ilse Wolfs Angaben bestätigen könnten.
Ich denke es gibt eine große Ähnlichkeit von Saly Wolf auf dem Familienfoto und der Person im Foto aus Buchenwald; allerdings scheint mir die Person aus Buchenwald jünger zu sein.
Da die Frage, ob die Person aus Buchenwald wirklich Saly Wolf ist oder nicht, wahrscheinlich nicht mehr zu klären ist, haben wir uns entschlossen, anstelle eines konkreten Todesorts drei Fragezeichen im Stolperstein anzugeben, wie Gunter Demnig für solche ungelösten Fälle empfiehlt. Fakt ist in jedem Falle, dass er wie seine Frau Amanda durch den Nationalsozialismus ums Leben kam.

Was ist mit den drei Kindern passiert? Ilse und Fritz Wolf konnten sich in die USA bzw. nach Israel retten. Und Arnold Wolf?

Nach dem Besuch der Zwingenberger Volksschule und der Realschule in Heppenheim zog Arnold Wolf im Alter von 14 Jahren in das holländische Roermond, um dort eine Lehre als Schreiner zu beginnen. Bei seinem Versuch, in die Schweiz zu flüchten, wurde er verhaftet – wir wissen allerdings nicht, wo dies geschah. Aus den Deportationslisten von Auschwitz geht hervor, dass Arno Wolf am 11. Februar 1943 von Drancy aus, einem französischen Durchgangslager nahe Paris, nach Auschwitz deportiert wurde.

An die Opfer Amanda, Saly und Arnold Wolf erinnern hier nun diese drei Stolpersteine.

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(c) Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge e.V.