Städtische Gremien unterstützen die Nutzungsidee

Artikel des Bergsträßer Anzeiger vom 17. Mai 2008

AK Synagoge I:
Parlament bekennt sich zum Vereinsziel
Museum zum Thema Migration in Zwingenberg ?

Von unserem Redaktionsmitglied Michael Ränker

Zwingenberg. Die Stadtverordnetenversammlung - das höchste beschlussfassende Organ der Kommune - hat dem Verein Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge für die Verwirklichung seiner Ziele erneut die Unterstützung der Stadt zugesagt. Die Organisation unter Leitung von Dr. Fritz Kilthau möchte - zumindest als langfristige Perspektive - die ehemalige Zwingenberger Synagoge in der Wiesenstraße 5 "einer Nutzung zuführen, die an die frühere jüdische Gemeinde erinnert und eine wichtige Funktion einnimmt im Abbau von Vorurteilen gegen Menschen anderer Religionen, Kulturen, Nationalitäten, zur Förderung von Toleranz und Völkerverständigung". Konkretes Projekt ist die Einrichtung eines sogenannten "Migrationsmuseums" für den südhessischen Raum.

Wie Kilthau - Autor des Buches "Mitten unter uns - Zwingenberg in den Jahren von 1933 bis 1945" - dem Sozial-, Kultur- und Sportausschuss vor der Abstimmung im Parlament erläuterte, soll in diesem Museum im Wesentlichen das Folgende dargestellt werden:
- Die Emigration aus Südhessen ins Ausland (in den europäischen Osten und Westen sowie nach Übersee). Dazu zählt auch die Emigration der südhessischen Juden während der Zeit des Nationalsozialismus.
- Die Migration Fremder nach Südhessen (Sinti, Roma, Glaubensflüchtlinge, Ostjuden, ausländische Wanderarbeiter, "Ausländer-Einsatz" in NS-Deutschland, "Displaced Persons" nach 1945, "Gastarbeiter", Asylsuchende, Wanderarbeiter aus der heutigen EU).
- Und die Ansiedlung von Deutschsprachigen und Deutschstämmigen in Südhessen (Vertriebene und Flüchtlinge nach dem Krieg, Flüchtlinge und Übersiedler aus der DDR, Aussiedler aus Osteuropa).

AK Synagogen-Vorsitzender Dr. Fritz Kilthau dazu: "Wichtig erscheint dem Verein hierbei, nicht nur die Geschichte der Migration zu vermitteln, sondern auch die Auswirkungen solcher Wanderungsströme aufzuzeigen und zur Lösung potenzieller Probleme anzuregen: Warum flohen und fliehen Menschen? Was bedeutet dies für die Migranten? Was bedeutet dies für die Bevölkerung des ,Gastlandes'? Wie kann man Konflikte zwischen Migranten und der Bevölkerung des ,Gastlandes' verringern?"

Bergsträßer Anzeiger
17. Mai 2008

AK Synagoge II: Finanzierungsmodell für Museumsprojekt steht
Kauf und Umbau kosten 600 000 Euro

Zwingenberg. Die Vorschläge für eine künftige Nutzung der ehemaligen Synagoge entwickelte Vereinsvorsitzender Dr. Fritz Kilthau gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Heinz Frassine (Architekt, Verfasser von Gutachten über den baulichen Zustand und die baulichen Möglichkeiten der Synagoge), Kurt Knapp (ehemalige Bürgermeister der Stadt Zwingenberg) sowie Hanns Werner (ehemaliger Stadtrat).
Dem Quartett beziehungsweise dem gesamten Verein sei klar, so Kilthau im Sozial-, Kultur- und Sportausschuss des Parlaments, dass eine Realisierung des durchaus ehrgeizigen, weil sehr anspruchsvollen Vorhabens nicht von jetzt auf nachher möglich ist. Alleine schon deswegen, weil das Gebäude sich nicht im Besitz der Stadt oder des Arbeitskreises, sondern in Privatbesitz befinde. Teile der ehemaligen Synagoge werden als Wohnung genutzt, das Haus wurde erst renoviert, ein Verkauf sei gegenwärtig nicht im Gespräch.
Und selbst wenn: Kontakte mit dem Besitzer erbrachten bereits vor längerer Zeit, dass das unter Denkmalschutz stehende Gebäude bei einem Verkauf gut 220 000 Euro bringen müsse. Möglich wäre auch ein Kauf nur des sakralen Teils des Gebäudes, die voraussichtlichen Kosten hierfür: 100 000 Euro.
Hinzu kommen nach Einschätzung von Vorstandsmitglied und Architekt Frassine Kosten in Höhe von rund 425 000 Euro für eine totale Restaurierung des 1903 errichteten Hauses. Rechnet man vorsichtshalber noch 50 000 Euro für Unvorhergesehenes ein, belaufen sich die Projektkosten auf mindestens 600 000 Euro.
Und genau an diesen Zahlen scheiterte die gute Idee bislang - Kilthau: "Wir haben Verhandlungen auf allen Ebenen geführt, mit Außenminister Kinkel, Finanzminister Eichel und Bundespräsident Rau gesprochen. Alle sagten: Wunderbar, eine gute Idee - aber wir haben kein Geld für euch."

Entmutigt ist der Verein Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge trotzdem nicht. Zumindest aus EU-Mitteln wurden schon einmal Mittel in Höhe von 50 Prozent (300 000 Euro) der förderfähigen Kosten zumindest in Aussicht gestellt. Zehn Prozent der Kosten (60 000 Euro) würde der Verein aus Eigenmitteln (Spenden) aufbringen wollen. Von der Landesdenkmalpflege erhofft man sich einen Zuschuss in Höhe von 50 000 Euro, von der Stadt eine Förderung von 190 000 Euro in Form eines Investitionsdarlehens.

Für künftige Verhandlungen war es aber nötig, "dass es noch einmal ein klares Bekenntnis der Stadt Zwingenberg für unsere Ziele gibt". Klar sei aber auch: "Zurzeit gibt es keine Chance auf Realisierung."
Das Museumsprojekt sei trotzdem "nach wie vor äußerst wichtig - vor allem ideell". Das Gemeinwesen habe nicht nur mit Blick auf die ehemalige jüdische Gemeinde Zwingenbergs "eine moralische Verpflichtung", sondern müsse auch mit Blick auf nachwachsende Generationen Geschichte begreifbar machen. mik

Bergsträßer Anzeiger
17. Mai 2008

AK Synagoge III: Migrationsmuseum könnte für Zwingenberg ein "Leuchtturmprojekt" sein
Politiker machen den Akteuren des Arbeitskreises Mut

Zwingenberg. Die Zwingenberger Kommunalpolitiker machten dem Verein Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge durchweg Mut, sein Ziel auf Einrichtung eines "Migrationsmuseums" in den Räumen der ehemaligen Synagoge nicht aus den Augen zu verlieren.
Monika Herms sagte dem Vorsitzenden Dr. Fritz Kilthau in der jüngsten Sitzung des Sozial-, Kultur- und Sportausschusses die Unterstützung der FDP zu. Der AK Synagoge solle nicht zuletzt wegen der Bedeutung des Projekts für die Jugend "am Ball bleiben".
Dr. Rainer Schneider, Stadtverordneter der SPD, bekannte sich ebenfalls klar zu den Zielen des Vereins. Er tat dies nicht nur als Mitglied der Fraktion, sondern auch als Vorsitzender der Zwingenberger Sozialdemokraten.
Maria Müller-Spieß (GUD) bezeichnete das Vorhaben als "wichtiges Anliegen" und bat darum, der Verein möge weiter nach Möglichkeiten der Finanzierung suchen. Eventuell hätten ja Stiftungen die Chance, die gute Sache zu unterstützen.
Susanne Reimund machte für die CDU deutlich, dass man das Vorhaben ebenfalls unterstütze: "Ein schönes Projekt."
Der Magistrat der Stadt Zwingenberg hat ebenfalls seine Unterstützung für die Ziele des AK Synagoge zugesagt. Wie Bürgermeister Dr. Holger Habich im Sozial-, Kultur- und Sportausschuss mitteilte, leiste der Verein "bereits heute wichtige Arbeit". Die Idee eines "Migrationsmuseums" bezeichnete Habich als "Leuchtturmprojekt": "Die Idee hält den Verein am Leben", lenkte der Rathauschef das Augenmerk auch auf die ideelle Funktion des Vorhabens innerhalb des Vereins und hoffte, dass es nicht nur bei der Idee bleibe, sondern auch eine Realisierung folge. mik

Bergsträßer Anzeiger
17. Mai 2008
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(c) Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge e.V.