Vortrag über die ehemaligen Synagogen

In Zwingenberg gab es zwei Synagogen
Bildvortrag am 17. November, 19:00 Uhr im Saal des Alten Amtsgerichts

Nicht allzu viele Zwingenberger Bürger wissen, dass das Gebäude in der Wiesenstraße Nr. 5 früher eine Synagoge war – 1903 erbaut und am Tag der Reichspogromnacht im November 1938 an Privat verkauft. Die meisten von ihnen sind allerdings erstaunt, wenn sie erfahren, dass es vor dieser Synagoge bereits ein weiteres jüdisches Gotteshaus in Zwingenberg gab – das Gebäude wurde 1861 durch die jüdische Gemeinde in der Zwingenberger Altstadt, Am großen Berg 2, gekauft. Ein Brand 1902 führte zum Verkauf und der Errichtung der neuen Synagoge.

Der Vorsitzende des Vereins „Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge, Dr. Fritz Kilthau, wird am Donnerstag, 17. November, 19:00 Uhr im Saal des Alten Amtsgerichts mit einem Bildvortrag von den beiden ehemaligen Synagogen berichten. Von der Enkelin des Architekten der letzten Zwingenberger Synagoge, Philipp Schuch, Frau Anneliese Hauck, erhielt er etliche Dokumente zum Bau dieser Synagoge, aber auch handschriftlich verfasste Vorschläge der damaligen jüdischen Gemeinde zur Einweihungsfeier im September 1903. Im Archiv der Stadt Zwingenberg fanden sich weitere interessante Dokumente. Fündig wurde Kilthau auch in den Staatsarchiven Darmstadt und Wiesbaden, den Stadtarchiven von Offenbach und Darmstadt, aber auch in alten jüdischen Zeitungen – vieles hiervon wird gezeigt.

Die architektonische Gliederung der Synagoge - der Sakralteil mit Frauenempore, Lehrerwohnung u.a. – wird vorgestellt, aber auch die jüdischen Schmuckelemente und Symbole, die zum Teil noch heute im und außerhalb des Gebäudes zu sehen sind, werden erläutert.

Nicht ausgespart werden die Vorgänge in und nach der NS-Zeit: In der Reichspogromnacht am 10. November 1938 wurde die Synagoge zwar beschädigt, aber nicht zerstört. Einen Tag später berichtete das Bergsträßer Anzeigeblatt vom Verkauf an Privat. Nach dem Krieg wurde die Synagoge zunächst von der amerikanischen Militärregierung beaufsichtigt und schließlich wurden die Eigentumsrechte an die JRSO (Jewish Restitution Successor Organisation) übertragen; die Aufgaben dieser Organisation werden in dem Vortrag gleichfalls erläutert. Die früheren Besitzer konnten die Synagoge danach wieder erwerben, wurden aber auch für den Kauf 1938 entschädigt. Leider wurden 1964 an der Fassade der Synagoge gravierende Veränderungen vorgenommen, die vieles von dem ursprünglichen Aussehen zerstörten. Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

Ein Teil der gezeigten Dokumente ist in der 2014 herausgegebenen Broschüre „Zur Geschichte der Synagogen von Zwingenberg an der Bergstraße“ abgedruckt, die nach dem Vortrag erworben werden kann. In seinem Vorwort schreibt Kilthau über die ehemalige letzte Zwingenberger Synagoge und drei weitere noch erhaltene Synagogen-Gebäude im Kreis Bergstraße: „Den jüdischen Nachfahren sind sie heute wichtiger Ort der Erinnerung an ihre verfolgten und ermordeten Vorfahren, für uns Nichtjuden hoffentlich ein Mahnmal für die Gräueltaten der Nationalsozialisten an den jüdischen Bürgern unserer Gemeinden.“

i Vortrag „Zur Geschichte der Synagogen von Zwingenberg an der Bergstraße“
Donnerstag, 17. November 2022, 19:00 Uhr, Saal des Alten Amtsgerichts
Veranstalter: Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge e.V.