Geschichte des KZ Osthofen

Geschichte eines fast vergessenen Konzentrationslagers
Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge lädt zum Vortrag über das KZ Osthofen ein

„Wegen unerlaubter Flugblattverteilung und des dringenden Verdachts kommunistischer Zusammenkünfte ins Konzentrationslager Osthofen verbracht“ – so wie die drei Zwingenberger Ludwig Mütz, Philipp Steitz und Paul Drach im September 1933 wurden viele Gegner des NS-Regimes und Personen, die den Nazis nicht genehm waren, aus nichtigem Grund oder lediglich eines Verdachts wegen nach Osthofen gebracht. Für viele von ihnen war dies die erste Etappe einer langen Reihe von Verschleppungen in Gefängnisse, Zuchthäuser und weitere Konzentrationslager.
Das Konzentrationslager Osthofen wenige Kilometer nördlich von Worms war das erste KZ des ehemaligen Volksstaates Hessen, zu dem damals die Provinzen Oberhessen, Starkenburg und Rheinhessen gehörten. Von März 1933 bis Juli 1934 wurden in Osthofen politische Gegner der NSDAP aus den Reihen der Gewerkschaften, KPD, SPD sowie Angehörige des katholischen Zentrums, Juden, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas und andere missliebige Personen ohne richterliche Verfügung inhaftiert. Der wohl bekannteste Häftling war der SPD-Reichstagsabgeordnete Carlo Mierendorff.
Hier begannen Unmenschlichkeit und Barbarei, hier wurde sichtbar, wie Menschen von den Nazis entwürdigt, gequält und misshandelt wurden. Das schreckliche Ende war nicht ohne Anfang – einer davon lag in Osthofen. Die berühmte Schriftstellerin Anna Seghers setzte in ihrem Buch „Das siebte Kreuz“ dem KZ Osthofen ein literarisches Denkmal.

Der pädagogische Leiter der „Gedenkstätte KZ Osthofen“, Heribert Fachinger, referiert am Mittwoch, 17. Juni 2009, 19:30 Uhr im Saal des Alten Amtsgerichts Zwingenberg über die Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers und deren Gedenkstätte. Nach dem Vortrag lädt der Verein „Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge e.V.“ zu seiner öffentlichen Jahreshauptversammlung ein.

i Vortrag „Die Geschichte des KZ Osthofen“
Referent: Heribert Fachinger, pädagogischer Leiter der „Gedenkstätte KZ Osthofen“
Mittwoch, 17. Juni 2009, 19:30 Uhr – Saal des Alten Amtsgerichts Zwingenberg


Artikel des Bergsträßer Anzeiger vom 23. Juni 2009

Migrations-Museum bleibt erklärtes Ziel

Arbeitskreis Synagoge: Der Motor des Vereins, Dr. Fritz Kilthau, wurde bei der Hauptversammlung einstimmig wiedergewählt

Zwingenberg. "Was wäre der Verein ohne Fritz Kilthau?" Mit dieser rhetorischen Frage verwies Dr. Claudia Becker, stellvertretende Vorsitzende vom Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge, auf den Motor des Vereins, der viele Fäden zieht und Netze strickt: Er ist der Autor diverser Publikation, er organisiert historische Stadtrundgänge, holt Referenten an die Bergstraße, betreut die Homepage und vieles mehr.
Nie verliert er bei alldem die Vision des Vereins aus den Augen: dass die ehemalige Synagoge an der Wiesenstraße 5 zu einem Migrationsmuseum wird. Dass er sich bei der Hauptversammlung am Mittwoch im alten Amtsgericht ein weiteres Mal für das Amt des Vorsitzenden zur Verfügung stellte, ließ viele Mitglieder aufatmen.
Als sich der Verein vor zehn Jahren gründete, war der Erwerb der ehemaligen Synagoge erklärtes Ziel. Sie sollte zu einer Gedenkstätte werden. Schon bald entwickelte man für das jüdische Gotteshaus ein Nutzungskonzept, das die Einrichtung eines Migrationsmuseums favorisiert.
Die Stadtverordnetenversammlung bekräftigte jüngst, dass man weiterhin das Vereinsziel unterstützen werde. "Das ist ein wichtiges Signal", meinte Kilthau, der bei vielen Institutionen und Organisationen um finanzielle Hilfe zum Erwerb des Hauses anklopfte. Im Regelfall seien derartige Gedenkstätten im Besitz von Kommunen oder Landkreisen.

"Weiterhin am Ball bleiben"

So schloss es auch Kilthau weitgehend aus, dass der Verein Eigentümer des Gebäudes werden könnte. "Wir werden weiterhin am Ball bleiben", versicherte er. Zum Beispiel mit einer Ausstellung "Migration in Südhessen", die noch in diesem Jahr zu sehen sein wird. Sie kann im Anschluss von Schulen ausgeliehen werden.
Dr. Kilthau publizierte auch in diesem Jahr wieder ein Werk zur Geschichte der Juden unter dem Titel "Als die Synagogen brannten". Es umfasst knapp 60 Seiten und wurde in einer Auflage von 750 Exemplaren gedrückt; 600 davon sind bereits vertrieben. Der Kreis habe alle Schulen mit dieser Lektüre ausgestattet; eine ging an die Landeszentrale für politische Bildung. Mit der Einrichtung steht der Verein in engem Kontakt. Ferner ist der Verein in der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen aktiv und arbeitet im Arbeitskreis Bergsträßer Synagogenvereine mit.
Der Jahresbericht des alten und neuen Vorsitzenden machte einmal mehr deutlich, dass der Arbeitskreis auf verschiedenen Ebenen Akzente setzt. Unter anderem auch durch eine Vielzahl von Veranstaltungen vor Ort: Mit einem historischen Stadtrundgang führte Kilthau viele interessierte Besucher auf die Spuren der ehemaligen jüdischen Mitbürger.
Der Verein gestaltete einen Tag für die Ferienspielkinder und kochte mit den Kids 14 indische Gerichte, die abends zusammen mit den Eltern verspeist wurden.
Ein Bildvortrag gab Einblicke in die wirtschaftliche und soziale Stellung der Juden in Deutschland zwischen dem 17. und 20. Jahrhundert. Zudem gab es eine Dichterlesung mit Barbara Zeizinger (Alsbach-Hähnlein). Dr. Peter Kalb aus Bensheim referierte über die Ausschwitz-Prozesse 1963 bis 1965 in Frankfurt. Ähnlich breitgefächert wird man mit dem kulturellen Angebot fortfahren. Am 5. Juli wird es eine Führung über den Alsbacher Judenfriedhof mit Pfarrer Mingo geben.
Am 1. Juni 1999 wurde der Arbeitskreis Synagoge gegründet. Im Oktober wird er sein Jubiläum im kleinen Vereinskreis feiern. Mit dabei sein wird die Klarinettistin Irith Gabriely. moni

Bergsträßer Anzeiger
23. Juni 2009
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