"Und keiner hat für uns Kaddisch gesagt...

Mit dem „Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge e.V.“ zur Ausstellung über die Deportationen der Juden aus Frankfurt am Main – einer von ihnen war Moritz Schack, der letzte Jude aus Zwingenberg

Betritt man die Ausstellung „Und keiner hat für uns Kaddisch* gesagt…“, die zurzeit im Frankfurter Jüdischen Museum gezeigt wird, so ist man erstaunt: Überlebensgroß schauen Martha und Moritz Schack, die letzten Juden aus Zwingenberg, auf die Besucher. Nachdem Moritz Schack die Zwingenberger Synagoge einen Tag nach der Reichspogromnacht im November 1938 an Privat verkaufen musste, waren die Schacks im Juni 1939 nach Frankfurt gezogen in der Hoffnung, dort weniger den Angriffen der Nationalsozialisten ausgesetzt zu sein. Während Martha Schack in Frankfurt wegen der unerträglichen Situation am 9. August 1941 Selbstmord beging, wurde ihr Ehemann Moritz Schack zunächst im September 1942 nach Theresienstadt deportiert, von dort im Januar 1943 ins Vernichtungslager Auschwitz. Moritz Schack ist einer der über 10.000 Juden aus Frankfurt, die in die Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager des Ostens verschleppt wurden und dort umkamen – ihnen ist die Ausstellung gewidmet.

Bereits am 19. Oktober 1941 verließ der erste Transport mit über 1.100 Menschen Frankfurt. Ab sechs Uhr morgens holten an diesem Tag SA-Leute die überraschten Menschen aus ihren Wohnungen und trieben sie mit ihrem Gepäck in der Hand zur Großmarkthalle. Von dort wurden sie in das Ghetto Lodz verschleppt. Nur zwei überlebten. Etliche Deportationen, darunter die von Moritz Schack, folgten. Noch am 15. März 1945, elf Tage bevor die amerikanischen Truppen Frankfurt erreichten, wurden die Letzten, die bis dahin noch vor der Deportation durch ihre Ehe mit einem nicht-jüdischen Partner bewahrt waren, in das Ghetto Theresienstadt abtransportiert.

In der Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus haben die Deportationen aus den deutschen Städten lange Zeit kaum eine Rolle gespielt. Um den Deportierten wieder „ein Gesicht zu geben“, hat man in Frankfurt/Main seit 1994 begonnen, die Lebensläufe aller als Juden verfolgten und deportierten Frankfurter zu recherchieren - so wurde auch der Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge um Mithilfe bezüglich Martha und Moritz Schack gebeten. Aus der Arbeit an den Biographien erwuchs der Wunsch, eine Ausstellung mit den Lebensläufen exemplarisch ausgewählter Personen mit persönlichen Zeugnissen, Dokumenten und Fotos zu erstellen – hierdurch möchte man die gewaltsame Verschleppung der Juden aus Frankfurt aus Sicht der Opfer einer breiten Öffentlichkeit wieder bewusst machen. Die Ausstellung wird durch Filme, Audiostationen und interaktive Informationsangebote ergänzt.

Aus dem Ausstellungskatalog: „Am Dienstag, den 15. September 1942, fährt wieder ein Zug mit 1.378 Insassen in Richtung Theresienstadt. Wie bei den vorherigen beiden Deportationen handelt es sich überwiegend um ältere Menschen, die gezwungen werden, sich zwei Tage zuvor in den „Gestapo-Haftstätten“ Hermesweg 5-7 und Rechneigrabenstraße 18-20 zu sammeln. Abfahrtsort ist ein Bahngleis nahe des Osthafens. Unter den anwesenden Beamten ist auch Ernst Holland, der im Auftrag der Geheimen Staatspolizei die „Reichsvereinigung“ überwacht. Er misshandelt und beleidigt die Unglücklichen brutal. Der Zug erreicht das Ghetto am 16. September. Allein 326 Personen dieses Transports werden bis Juni 1944 in die Vernichtungslager verschleppt, darunter auch Moritz Schack.“
* "Kaddisch" ist das traditionelle jüdische Gebet, das Gott im Vertrauen auf die Auferstehung der Toten lobpreist.

i Fahrt zur Ausstellung „Und keiner hat für uns Kaddisch gesagt“ – Deportationen aus Frankfurt am Main 1941 bis 1945
Jüdisches Museum Frankfurt/Main, Untermainkai 14/15
Samstag, 18. Juni 2005, Führungsbeginn 15 Uhr
Treffpunkt Bahnhof Zwingenberg 13:45 Uhr - Abfahrt mit DB vom Bahnhof Zwingenberg 14:09 Uhr
Kostenbeitrag Fahrt/Eintritt/Führung 10.- €
Anmeldung erforderlich unter Tel. 06251-72171
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(c) Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge e.V.