3 Tage fehlten zur Freiheit

3 Tage fehlten zur Freiheit

„Mit Erschütterung habe ich den Bericht über die Verbrechen gelesen, die 1945, unmittelbar vor Kriegsende, in Bensheim begangen worden sind“, so der frühere Bürgermeister Georg Stolle in seinem Vorwort zum Ergebnis der Recherche von Dr. Fritz Kilthau, Zwingenberg, und Dr. Peter Krämer, ehemals Bensheim. Am 24. März 1945, drei Tage vor der Befreiung Bensheims durch die Amerikaner, waren zwölf Menschen von der Gestapo am Kirchberg erschossen worden. Die beiden Autoren wollten Näheres über die Opfer herausfinden: Wer waren diese Menschen, warum wurden sie ermordet? Sie suchten nach Angehörigen und Bekannten der Opfer, befragten sie, erbaten Fotos und sonstige Dokumente. In ihrem 1986 erstmals veröffentlichten Büchlein berichten sie von den ermordeten Juden Rosa Bertram, Erich Salomon (beide aus Worms) und Lina Bechstein (Kriegsheim), von Gretel Maraldo (Offenbach), die sich als Mitglied einer oppositionellen Jugendgruppe gegen die HJ-Jugend auflehnte, dem Soldaten Walter Hangen (Worms), der bei Kriegsende nicht mehr zu seiner Einheit zurückkehren wollte, Jakob Gramlich (Bonsweiher), der wegen „staatsfeindlicher Äußerungen“ verhaftet worden war, dem Polen Johann Goral, der die Erschießung schwer verletzt überlebte, den beiden Franzosen Eugène Dumas und Lothaire Delaunay, dem Niederländer Frederik Roolker sowie drei weiteren von der Gestapo ermordeten Personen, die nicht identifiziert werden konnten. Aber auch über die standrechtliche Erschießung von drei jungen deutschen Soldaten, die kurz vor Kriegsende nicht mehr kämpfen wollten, am Bensheimer Wasserwerk wird berichtet sowie von der Ermordung dreier amerikanischer Gefangenen durch die Bensheimer Gestapo – zwei von ihnen wurden wenige Stunden vor der Flucht der Gestapo aus Bensheim im Garten hinter der damaligen Gestapo-Zentrale (heutige Außenstelle der Seebergschule) erschossen und begraben.
Wer waren die Täter und was geschah mit ihnen? Auch hierüber gibt das Büchlein Auskunft.

Die neue, überarbeitete Auflage von „3 Tage fehlten zur Freiheit“ wird von der „Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger e.V.“ herausgebracht. Der heutige Bürgermeister Thorsten Herrmann schreibt in seinem Vorwort: „Wie mein Vorgänger im Amt, Georg Stolle, unterstütze ich die Aktivitäten der Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger e.V. Dieser Broschüre wünsche ich eine weite Verbreitung, nicht zuletzt in den Schulen der Schulstadt Bensheim.“ In seinem Nachwort unterstreicht der Vorsitzende des Vereins „Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger“, Peter E. Kalb, die Bedeutung der Aufklärung über die Verbrechen der Gestapo in Bensheim: diese gehörten zur Vergangenheit der Stadt. Es ist wichtig, dass diese Ereignisse nicht in Vergessenheit gerieten.
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(c) Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge e.V.