Stolpersteine und Stolperschwelle

Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen rund 116.000 Stolpersteine in über 1860 Orten Deutschlands und in 31 Ländern Europas.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, so der Künstler. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Auf den Steinen steht geschrieben: HIER WOHNTE… Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch.

Der Künstler Gunter Demi verlegt einen Stolperstein in Zwingenberg.

Am 3. Juli 2012 verlegte Gunter Demnig im Auftrag der Stadt Zwingenberg für 11 Opfer des Nationalsozialismus Stolpersteine vor deren ehemaligen Wohnungen.

Am Markplatz 12

Amanda und Saly Wolf lebten am Marktplatz 12 – sie hatten ein Leder- und Schuhwarengeschäft. 1938, kurz vor der Verwüstung ihrer Wohnung während der Reichspogromnacht zogen sie nach Darmstadt.

Amanda und Saly Wolf wurden ins KZ Piaski / Lublin verschleppt. Tochter Ilse meint, dass sie ihren Vater Saly Wolf auf einem Foto wieder erkannt hatte, das im KZ Buchenwald nach der Befreiung 1945 aufgenommen worden war. Leider gibt es keine Dokumente im Archiv Buchenwald oder beim Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen, die einen Aufenthalt von Saly Wolf in Buchenwald bestätigen. 

Ihr Sohn Arnold Wolf wurde auf seiner Flucht in die Schweiz gefangen genommen und nach Auschwitz verschleppt. 

Obergasse 3

Im Haus Obergasse 3 lebte die Familie Martha und Moritz Schack mit ihren 5 Kindern Irma, Leo, Lina, Susanne und Margot. Es war das Elternhaus väterlicherseits von Martha Schack.

Sie wurde am 10. November 1885 als Tochter von Sarah und Aaron Leo Rothensies geboren. Die Familie Rothensies war eine alteingesessene Zwingenberger Familie. Die Tante von Martha, Clara Wolf, geb. Rothensies, lebte im Haus Obergasse 5.

„Über die Familie Martha und Moritz Schack wissen wir sehr viel,“ schreibt Dr. Fritz Kilthau in seinem Buch „Mitten unter uns – Zwingenberg von 1933 bis 1945“.

Obergasse 3

Hans Gärtner war bekennender Zeuge Jehovas – er lebte in der Obergasse 3, wo er auch sein Friseurgeschäft hatte. Nach Bespitzelung und Hausdurchsuchung wurde Hans Gärtner mehrfach zu Gefängnishaft verurteilt. Er ließ sich nicht dazu hinreißen, andere Zeugen Jehovas zu verraten, als er am 24. April 1935 in Schutzhaft kam und später von dem Darmstädter Sondergericht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde.

1937 wurde er wegen Nichterwiderung des sog. Hitler-Grußes erneut verhaftet und ins KZ Dachau gebracht, wo er am 26. April 1940 verhungerte.

Obergasse 5

Das Geschäft von Clara und Jakob Wolf aus der Obergasse 5 wurde während der Reichspogromnacht im November 1938 verwüstet.

Nach Gefangennahme im KZ Dachau beschlossen sie, nach Paraguay zu emigrieren. Im April 1939 zogen sie nach Frankfurt. Von dort wurden sie nach Raasiku (Estland) deportiert und dort ermordet.

Pfarrhausgasse 1

Clothilde und Heinrich Wachenheimer versuchten 1938, den Nazis zu entfliehen; sie verkauften ihr Anwesen in der Pfarrhausgasse 1 und flohen mit Tochter Johanna und Schwiegersohn aus Lorsch, Siegmund Abraham, nach Frankreich.

Clothilde starb 1942 auf der Flucht an einem Herzschlag. Die beiden Söhne Salomon (Sal) und Berthold konnten in die USA fliehen.

Alsbacher Straße 24/26

Clara und Sally David lebten in der Alsbacher Straße 24/26, verkauften Fette, Öl und Bindemittel. Im März 1937 wurde ihr Geschäft aufgelöst, sie zogen nach Darmstadt.

Der Verschleppung in ein Konzentrationslager kam Sally David zuvor – er erhängte sich am 15. Juli 1940. Seine Frau Clara wurde vom Güterbahnhof Darmstadt aus nach Piaski-Lublin in Polen deportiert – es gibt keine weiteren Spuren von ihr.

Pfarrer Christian Hilsberg von der evangelischen Kirchengemeinde Zwingenberg lud 2021 Dr. Fritz Kilthau ein, zusammen ein kurzes Video mit Bezug zu den Stolpersteinen für die Opfer des Nationalsozialismus in Zwingenberg zu drehen. Für die Aufnahme und die Produktion des Videos war Michael Ränker zuständig. Das Video finden Sie hier.

Die Stolperschwelle

Vor der ehemaligen zweiten Synagoge Zwingenbergs in der Wiesenstraße verlegte Gunter Demnig am 14. November 2022 eine Stolperschwelle mit dem Text „Hier 1903 erbaut – Die Synagoge der jüdischen Gemeinde Zwingenberg – 10. November 1938 geschändet – 1938/1939 verkauft“.