Der Judenfriedhof
Der Alsbacher Judenfriedhof ist der größte erhaltene jüdische Landfriedhof Hessens. Er ist verbürgt seit dem Jahr 1616 und diente mehr als 2000 Juden aus 32 Ortschaften der näheren und weiteren Umgebung als zentrale Beerdigungsstätte. Da jüdische Gräber nach jüdischer Sitte nicht erneut belegt werden dürfen, sind diese Grabstätten mit ihren zum Teil uralten Grabsteinen wie ein offenes Geschichtsbuch. Bemerkenswert ist der Gedenkstein für den berühmten Rabbi Samuel Bacharach aus Worms, der 1615 in Gernsheim und dann auf dem Alsbacher Judenfriedhof beerdigt wurde. Seitdem war es für jeden frommen Juden eine Ehre, selber in der Nähe dieses großen Rabbis beerdigt zu werden.
Als orthodoxer Friedhof zeigen die Grabmale – mit sehr wenigen Ausnahmen – keine Schmuckelemente. Grabsteine mit dem Symbol der segnenden Händen weisen die Beerdigten als Anhänger der Kohanim aus (verantwortlich für die Opferdarbringung im Tempel und den Priestersegen); den Kohanim war das Betreten des Friedhofs aus religiösen Gründen nicht erlaubt – sie konnten aber die Beerdigung ihrer Angehöriger von außerhalb der Friedhofsmauer – auf Trittsteinen stehend – verfolgen. Das Symbol der Kanne schmückt die Grabsteine der Leviten (verantwortlich für die kultische Reinheit im Tempel). Einige Grabsteine zeigen das Symbol der zionistischen Bewegung im ausgehenden 19. Jahrhundert – den Davidstern. Weitere Grabsteine erinnern an deutsche Soldaten jüdischen Glaubens, die im ersten Weltkrieg – zum Teil hochdekoriert – „für Volk und Vaterland“ ihr Leben gaben.
Zur Erinnerung an die Friedhofsschändung während der Reichspogromnacht 1938 durch die Nationalsozialisten ist eine Gedenktafel an der Innenmauer zur B3 hin angebracht. Der Bensheimer Bankier Julius Bauer, der nach seiner Verhaftung in der Reichspogromnacht im November 1938 starb, und seine Frau Hedwig, die sich im Februar 1939 das Leben nahm, zählen zu den letzten auf dem Alsbacher Friedhof beerdigten Juden.
Weitere Informationen finden Sie in unserer Broschüre „Beth Olam – Haus der Ewigkeit / Gang über den jüdischen Friedhof in Alsbach an der Bergstraße“.
Unser Verein bietet Führungen über den Alsbacher Judenfriedhof an – bei Interesse nehmen Sie bitte Kontakt zu uns auf.









Die Benno-Elkan-Allee

Von 1911 bis 1919 lebte der bedeutende jüdische Künstler Benno Elkan (1877-1960) mit seiner Familie in Alsbach. Nach seinem Umzug nach Frankfurt/Main flüchtet er 1934 nach London, 1939 wurde ihm die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt. Weltbekannt wird Elkan mit seinem Spätwerk, der Großen Menorah, die heute vor der Knesset in Jerusalem steht. Sie ist eine Gabe Großbritanniens an den jungen Staat Israel – mit 29 Halbreliefs erzählt die Große Menorah die Glaubensgeschichte des jüdischen Volkes.
Im Oktober 2012 wurde in Alsbach die „Benno-Elkan-Allee“ (Teilstück der L3112 zwischen den Kreiseln) eingeweiht.
Das Foto zeugt Benno Elkan in seinem Atelier in London während der Arbeit an der Menora für die Knesset.
Bild: Tamar Hayardeni.
Gedenkstätte am Bürgerhaus
Am Alsbacher Bürgerhaus wurde die ursprüngliche, allgemein gehaltene Gedenkstätte (erstellt vom Darmstädter Bildhauer Gotthelf Schlotter im März 1991) mit einer Namenstafel für die ehemaligen Juden aus Alsbach und Hähnlein ergänzt.
Eine dritte Tafel trägt den Text: „Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind (Spr. 31, V. 8). – Dem Andenken der jüdischen Nachbarn, die durch den Nationalsozialismus 1933 – 1945 in Alsbach und Hähnlein gelebt und gelitten haben.“







