Als die Synagogen brannten - Die Reichspogromnacht

Presseerklärung des Vereins vom 9. März 2011

„Als die Synagogen brannten – Die Reichspogromnacht 1938 im Kreis Bergstraße“
3. überarbeitete und erweiterte Auflage der Broschüre erschienen

Im November 2008 brachte der Verein „Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge e.V.“ eine Broschüre über die Vorgänge in der Reichspogromnacht um den 9./10. November 1938 im Kreis Bergstraße heraus. Beschrieben wurden die Zerstörungen der Synagogen in Bensheim, Heppenheim, Lampertheim, Lorsch und Viernheim, die Verwüstungen und Beschädigungen der jüdischen Gotteshäuser in Biblis, Neckarsteinach, Rimbach und Zwingenberg. Die Synagogen in Auerbach, Birkenau, Bürstadt, Groß-Rohrheim, Hirschhorn und Lautertal waren bereits vor der Pogromnacht verkauft worden und entgingen hierdurch dem Angriff der nationalsozialistischen Horden. Ausführlich wurde aber auch auf die Angriffe gegen jüdische Bürger in den Bergsträßer Gemeinden und Städten eingegangen; auch die Verwüstung des Alsbacher Judenfriedhofs, auf dem viele jüdische Bürger aus der nördlichen Bergstraße begraben sind, wurden detailliert beschrieben.

Binnen eines Monats war diese erste Auflage vergriffen und erforderte einen umfangreichen Nachdruck. Viele Bestellungen gingen aus ganz Südhessen und benachbarten Gebieten ein, aber auch die Hessische Landeszentrale für politische Bildung in Wiesbaden sowie die Schulabteilung des Kreises Bergstraße orderten eine größere Anzahl an Exemplaren.
Anfang 2011: Alles fast vergriffen und eine neue 3. Auflage war erforderlich. Der Text wurde nochmals überarbeitet und im Abschnitt „Wirtschaftlicher Aspekt der Pogromnacht“ wesentlich erweitert. „Dieser wirtschaftliche Aspekt“, so der Autor der Broschüre Dr. Fritz Kilthau, „wird oftmals unterschätzt oder völlig ausgeblendet: Die Vermögenserfassung der Juden im April 1938 erlaubte die Erpressung von mehr als 1 Milliarde Reichsmark nach der Reichspogromnacht als ‚Sühneleistung’. Die Emigration der Juden wurde mit der extrem hohen sogenannten Reichsfluchtsteuer für das jüdische Vermögen und der ‚Dego-Abgabe’ für transferiertes Geld belastet oder unmöglich gemacht. Die ‚Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben’ vom 12. November 1938 bedeutete entweder Stilllegung eines Betriebs oder ‚Zwangs“-Arisierung’ (Verkauf an nichtjüdische Bürger) meist unter Wert.“

Fritz Kilthau: „Als die Synagogen brannten – Die Reichspogromnacht 1938 im Kreis Bergstraße“
3. Auflage März 2011 - 57 Seiten mit 34 farbigen Bildern/Dokumenten
Herausgeber: Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge e.V.
Weitere Informationen: www.arbeitskreis-zwingenberger-synagoge.de
Die Broschüre kann unter www.arbeitskreis-zwingenberger-synagoge.de bzw. Tel. 06251-72171 für 3.50 € plus 1.50 € Porto und Versand bestellt werden.

Presseerklärung des Vereins vom 6. Dezember 2008

Als die Synagogen brannten – Die Reichspogromnacht 1938 im Kreis Bergstraße
2. Auflage der Broschüre erschienen

Wegen sehr großer Nachfrage hat der Verein „Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge“ jetzt die Broschüre „Als die Synagogen brannten – die Reichspogromnacht 1938 im Kreis Bergstraße“ nur einen Monat nach dem Erstdruck in 2. Auflage herausgebracht. Bestellungen gingen aus ganz Südhessen und benachbarten Gebieten ein, aber auch die Hessische Landeszentrale für politische Bildung in Wiesbaden sowie die Schulabteilung des Kreises Bergstraße orderten eine größere Anzahl an Exemplaren.
Dr. Fritz Kilthau, der Autor der Broschüre und Vorsitzender des Vereins, freut sich besonders darüber, dass der bekannte Zwingenberger Grafiker, Maler und Kupferstecher Erich Stahl für die Titelseite der Neuauflage unentgeltlich eine beeindruckende Federzeichnung anfertigte. Der Verein dankt auch der Auerbacher Firma Printlogistik Kurt Gioth, die den Druck der Broschüre finanziell unterstützte.

In der Broschüre werden die Vorgänge bzw. die Situation in der so genannten "Kristallnacht" in Auerbach, Bensheim, Biblis, Birkenau, Bürstadt, Einhausen, Groß-Rohrheim, Heppenheim, Hirschhorn, Lampertheim, Lautertal, Lorsch, Neckarsteinach, Rimbach, Viernheim und Zwingenberg beschrieben. Weitere Informationen finden sich auf der Webseite www.arbeitskreis-zwingenberger-synagoge.de. Die Broschüre kann über die Webseite oder unter Tel. 06251-72171 bestellt werden.

Presseerklärung des Vereins im November 2008 zur 1. Auflage

Als die Synagogen brannten
Broschüre zur Reichspogromnacht 1938 im Kreis Bergstraße erschienen

Kurt Abraham über die Geschehnisse in den frühen Morgenstunden des 10. November 1938 in Lorsch: „Aus dem Erdgeschoss drangen Geräusche von zersplitterndem Glas und Geschirr, von umstürzenden und umher geworfenen Möbeln. Seine Mutter drückte ihn fest an sich und hastete die Treppe hinunter, durch das Geschäft und hinaus auf die Straße. Aus der Synagoge auf der anderen Straßenseite schlugen Flammen. Vater und Opa standen dort, starr im Feuerschein des Infernos. Der kleine Junge blickte hinüber zur brennenden Schul und dann instinktiv in Opas Gesicht, und er erkannte, dass etwas Schreckliches geschehen war, dass alles anders, unwiderruflich anders geworden war.“ So wie dieser Junge – es war der 7jährige Kurt Abraham selbst - mussten die Juden in ganz Deutschland traumatisch erleben, wie ihre Synagogen angezündet, verwüstet und geschändet wurden. Im Gebiet des heutigen Kreises Bergstraße wurden die Synagogen in Bensheim, Lorsch, Heppenheim, Lampertheim und Viernheim durch Brand zerstört, die jüdischen Gotteshäuser in Biblis, Neckarsteinach, Rimbach und Zwingenberg verwüstet beziehungsweise beschädigt. Die Synagogen in Auerbach, Birkenau, Bürstadt, Groß-Rohrheim, Hirschhorn und Lautertal waren bereits vor der Pogromnacht verkauft worden und entgingen hierdurch dem Angriff der nationalsozialistischen Horden.

In einer 60seitigen Broschüre hat nun Dr. Fritz Kilthau, Vorsitzender des Vereins „Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge e.V.“ und Autor mehrerer Publikationen zur NS-Zeit in Zwingenberg und Umgebung, viele Details über die Geschehnisse um den 9./10. November 1938 im Gebiet des heutigen Kreises Bergstraße zusammengestellt. Hierzu hat er im wesentlichen Lokalzeitungen sowie Publikationen zur Geschichte der Juden in unserer Umgebung ausgewertet, im Staatsarchiv Darmstadt und in anderen Archiven recherchiert, Informationen aus Interviews mit Zeitzeugen gewonnen und im Internet akribisch nach Details gesucht.

Die Nationalsozialisten gingen nicht nur gegen die Synagogen vor, sondern auch gegen die jüdischen Bürger und ihre Wohnstätten: Sie brachen in ihre Häuser ein, zerstörten die Wohnungseinrichtungen, schlugen die Bewohner und verhafteten die männlichen Juden, um sie in die Konzentrationslager Buchenwald oder Dachau zu verschleppen. In einigen Orten gingen sie besonders perfide vor: In Biblis beispielsweise stiftete ein Lehrer seine Schulklasse zu Zerstörungen an den Häusern von Juden an, in Heppenheim wurden die Juden zur öffentlichen Verhöhnung durch die Stadt geführt. In Rimbach hielten die Nazis Juden im Nachthemd unter einen Wasserstrahl bzw. setzten sie auf einen Eisblock. Überall wurden die Juden geschlagen, verhöhnt, bedroht.

Auch vor der Schändung und Verwüstung jüdischer Friedhöfe schreckten die Nazis nicht zurück. So sprengten sie beispielsweise Eingangshaus und Pfeiler des Alsbacher Judenfriedhofs und stürzten die Grabsteine um. Etliche dieser Steine wurden dann für Hausfundamente oder zur Ausbesserung schadhafter Mauern verwendet.

Dr. Kilthau zu den Berichten über die Vorgänge während der Reichspogromnacht in unserer Umgebung: “Die Verwüstungen der jüdischen Gotteshäuser, die Zerstörungen und Plünderungen der jüdischen Geschäfte und Wohnungen, der Abtransport der männlichen Juden in die Konzentrationslager nach der sog. Reichskristallnacht, die Rückkehr als gebrochene Personen - all dies musste von der Nachbarschaft wahrgenommen werden. Die nicht-jüdischen Bürger sahen die Verbrechen gegen ihre jüdischen Nachbarn von Anfang an – von den antijüdischen Aktionen um den 1. April 1933, dem Wüten der SA und SS während der Reichspogromnacht 1938 bis zum endgültigen Abtransport der Juden in die Vernichtungslager. Es geschah mitten unter uns – und jeder wusste es.“

i „Als die Synagogen brannten – Die Reichspogromnacht im Kreis Bergstraße“
60seitige Broschüre mit 26 Bildern/Dokumenten
Verfasser: Dr. Fritz Kilthau
Herausgeber: Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge e.V. mit Unterstützung des Olympischen Clubs Starkenburg, Lorsch
Die Broschüre kann unter Tel. 06251-72171 bzw. www.arbeitskreis-zwingenberger-synagoge.de für 3.50 € plus 1.50 € Porto und Versand bestellt werden.
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